
1. Preis: Wettbewerb Norden „Doornkaat-Gelände“

Freiraumplanerischer und städtebaulicher Realisierungswettbewerb Landschaftspark Doornkaat
| Ort: | Stadt Norden, zwischen der Fußgängerzone Neuer Weg und dem Norder Tief |
| Auftraggeberin: | Stadt Norden |
| Kooperation: | TGP Landschaftsarchitekten, Trüper, Godensen und Partner, Lübeck |
| Bearbeitungszeitraum: | 2026 |
| Fläche: | ca. 4,9 ha, rund 150 Wohneinheiten, Dienstleistungs-, Kultur- und Gewerbeflächen |
Das zentral gelegene Doornkaat-Gelände liegt heute überwiegend brach und ist ein Schlüsselprojekt der integrierten Stadtentwicklung Nordens. Über Jahrzehnte prägte die Doornkaat-Brennerei das Areal. Entsprechend groß sind seine Potenziale, aber auch die Herausforderungen aus Altbestand, Bodenbeschaffenheit, Denkmalschutz und sensiblen Nachbarschaften. Gesucht war eine Entwicklungsperspektive, die den historischen Bestand respektiert und ein gemischt genutztes Quartier für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit schafft. Freiraum und Städtebau sollten dabei gleichrangig zusammenwirken.
Der Dreiklang Stadt, Park und Landschaft
Über 150 Jahre wuchs die Schnapsbrennerei Doornkaat zu einem weitläufigen Industriekomplex, der von der Fußgängerzone bis an den Flusslauf Norder Tief reicht. An der Stadtachse Neuer Weg liegen mit dem Markt und dem Norder Tor bereits zwei Kristallisationspunkte der Innenstadt. Das Doornkaat-Areal wird zum dritten. Aus der Brache entsteht ein Dreiklang aus Stadt, Park und Landschaft: Der denkmalgeschützte Bestand bleibt erhalten, während ein neuer Landschaftspark das Areal zur Stadt hin öffnet.



Städtebau, Weiterbauen an der Stadt Norden
Neubauten am Neuen Weg markieren die Revitalisierung und leiten in das neue Stadtquartier. Die denkmalgeschützten Gebäude der Brennerei werden saniert und durch einen zurückhaltenden Neubau für Kultur und Gastronomie, „den kleinen Bruder“, ergänzt. Die historische Struktur der Lohnen wird in den Wohnquartieren aufgegriffen und macht das Weiterbauen der Stadt ablesbar; Giebelständigkeit und Materialität stellen den Bezug zu den Industriebauten her, während gewerbliche und gastronomische Erdgeschossnutzungen Quartier und Parkränder ganztägig beleben. Hinter den Wohnblöcken liegt das neue Parkhaus, das nicht allein den Bedarf des Quartiers deckt, sondern auch Stellplätze für die angrenzende Innenstadt übernimmt. Aus dieser doppelten Funktion ergibt sich sein Volumen, das die Wohnbebauung zum Landschaftspark hin abschirmt. Ein Rücksprung bildet gemeinsam mit dem Polizeigebäude eine Torwirkung zum Kreisel aus, ein Höhenversatz im Dachbereich gliedert den Baukörper zusätzlich.
Erschließung und Stadtachse Glückauf
Den Auftakt aus der Fußgängerzone bildet ein mit Bauminseln überstellter Verkehrsraum, der sich zum Landschaftspark hin öffnet und die Besucher aus der Stadt in das Areal hineinführt. Im Quartier sichert ein engmaschiges Wegenetz die Kleinteiligkeit des Wohnungsbaus und kurze Verbindungen zum Polizei-Areal und zum Parkhaus. Nach Norden erstreckt sich aus dem Straßenverlauf Glückauf über einen neuen Verkehrskreisel eine Parkachse, die das Norder Tief mit einem Brückenschlag quert und zum Norder Tor führt; als Nord-Süd-Achse übernimmt sie im Park die schnelle Verbindung für Fußgänger und Radfahrende. Mit einer künftigen Verlagerung des Getränkehandels kann entlang der Achse ein attraktives Wohnquartier entstehen und die Entwicklung des Doornkaat-Areals über das Wettbewerbsgebiet hinaus fortschreiben.



Landschaftspark Doornkaat
Vom Neuen Weg bis in den Park zieht sich ein einheitlicher Belagsteppich aus ortstypischem rotbraunem Klinker im Fischgrätverband. Er endet in großzügigen Terrassen vor dem Korn- und Kohlespeicher und der neuen Wohnbebauung, die Raum für Wegeführung, Anlieferung und Außengastronomie zugleich bieten. Zusammen mit den wassergebundenen Wegedecken im Park bleibt die Materialpalette bewusst schmal und knüpft an die Bestandsflächen an.
An die Terrassen schließen die weitläufigen Wiesenflächen bis zum Ufer des Norder Tiefs an: Spiel- und Liegewiesen sowie Veranstaltungsraum für das jährliche Open-Air-Festival. Als Entschleunigungsweg rahmt ein Park-Loop aus wassergebundener Wegedecke die Wiesen, begleitet von Staudenpartien, Sport- und Spielflächen. Zwischen Loop und Achse liegt im Süden ein Sportband aus grünem Gussasphalt, Anlaufpunkt für Tischtennis, Streetball, Skating und Fitness und zugleich Anlieferungsweg des Heizkraftwerks.
Die erhaltenen Industriegebäude liegen frei in den Wiesen als Ankerpunkte des Parks: der Kühlturm als Kletterturm und markanter Aussichtspunkt, das Pumpenhaus als Café mit Außengastronomie und das Zollgebäude am Ufer als Freizeiteinrichtung mit Kanuverleih. Von dort führen zwei barrierefreie Rampen zu einem Podest auf dem Norder Tief, das Ein- und Ausstieg für Wasserwanderer und mit einer langen Sitzbank zugleich Aufenthaltsort für alle ist. Mit den naturnah ausgestalteten Uferböschungen wird das industrielle Erbe erlebbar in die neue Freiraumnutzung überführt.
